Während Banken am 29. Oktober den angestaubten Weltspartag zelebrierten, riefen zahlreiche NGOs und Gruppen von Aktivisti weltweit zum Protest für Klimagerechtigkeit auf – darunter auch das KoalaKollektiv. Gemeinsam mit den Banktivisti von urgewald und weiteren Unterstützer:innen richteten wir eine großflächige und weithin sichtbare Botschaft an die EZB, die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Sparkassengruppe:

Direkt vor der Euro-Skulptur am Willy-Brandt-Platz, mit Blick auf die Bankentürme, sprühten und malten wir am 29. Oktober das riesige Straßenbild. Dabei schwangen neben KoalaKollektiv und urgewald auch Aktivisti der Frankfurter Ortsgruppen von Greenpeace und People for Future die Pinsel. Sogar mehrere Passant:innen schlossen sich der Aktion an, während zahlreiche Medien-Vertreter:innen aufnahmen, interviewten und Fotos schossen.

Banken finanzieren die Klimakrise

Die Proteste an über 120 Orten weltweit sind bitter nötig angesichts der Milliardengelder, die trotz Klimakrise weiterhin in den Ausbau fossiler Brennstoffe fließen. Auch die deutschen Banken machen große Geschäfte mit der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen:

Laut Recherchen von urgewald ist die Commerzbank mit 4 Milliarden Euro an Krediten in den letzten zwei Jahren größte deutsche Kreditgeberin der weltweiten Kohleindustrie. Wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz in Glasgow wurde öffentlich, dass sich die Bank an einer Anleihenausgabe für JSC SUEK, Russlands größtem Kohleunternehmen, beteiligt. SUEK plant und baut neue Kohlekraftwerke und will auch seine Kohleproduktion stark erhöhen.

Die Deutsche Bank will Deutschlands größtem Öl- und Gasunternehmen, Wintershall Dea, beim Börsengang helfen. Außerdem bereitet sie die Auflage einer Anleihe für den australischen Kohlekonzern Whitehaven vor, der neue Kohleminen erschließen will.

Die Sparkassen-Gruppe mit den dazugehörenden Landesbanken ist eine der größten Finanzierer:innen von RWE. Der Energieversorger will erst 2038 aufhören, Braunkohle zu fördern. Dem Tagebau Garzweiler sollen deshalb noch mehrere Dörfer weichen.

Um die Klimakatastrophe abzuwenden, dürfen Banken expandierende fossile Konzerne nicht mehr unterstützen. Wir erwarten, dass die deutschen Banken nun schnell effektive Ausschlussrichtlinien für Kohle, Öl und Gas einsetzen.

Kathrin Petz, Banken-Campaignerin bei urgewald und Organisatorin der Weltspartags-Proteste in Deutschland.

EZB: Mehr Schein als Sein beim Klimaschutz

Die Europäische Zentralbank (EZB) hätte durch ihre Aufsichts- und Regulierungsfunktion Möglichkeiten, Privatbanken zu tiefgreifenden Klimaschutzmaßnahmen zu bewegen. Eine wirksame Option wäre beispielsweise eine One-for-One-Regelung für die Finanzierung klimaschädlicher Projekte, wie wir sie gemeinsam mit Finance Watch und anderen Organisationen fordern.

Doch obwohl die EZB als europäische Institution ans Pariser Klimabakommen gebunden ist, nimmt sie ihre Verantwortung nicht wahr. Im Gegenteil, sie schüttet selbst weiter Öl ins Feuer der Klimakrise.

Erst am Vortag der Aktion hatte ein Bericht von Reclaim Finance dazu neue Details enthüllt: Allein im Rahmen ihres Corona-Rettungsprogramms PEPP pumpte die EZB schätzungsweise 80 Milliarden Euro in klimafeindlichen Industrien; allein 15 Milliarden gingen dabei an Gas, Kohle und Öl. Damit hat die EZB ihre Unterstützung von Unternehmen wie Shell, Eni, OMV, TotalEnergies und Repsol, die zu den größten Verschmutzern weltweit gehören, im letzten Jahr sogar weiter ausgebaut.

Vor dem Eurozeichen am Willy-Brandt-Platz in Frankfurt malt ein Aktivist am Straßenbild, das Teil des Protests für Klimagerechtigkeit am Weltspartag ist.

Die EZB hat – auch aufgrund des hartnäckigen Drucks der Zivilgesellschaft – in ihrer neuen Strategie im Juli 2021 zwar Klimaschutzmaßnahmen angekündigt. Präsidentin Lagarde selbst spricht immer wieder darüber, den “Klimawandel” mehr in ihrer Geldpolitik einzubeziehen. Doch die angekündigten Maßnahmen sind zu schwach, zu vage und vor allem zu langsam.

Menschen in Europa und insbesondere im Globalen Süden verlieren ihre Existenz und ihr Leben durch Flutkatastrophen und Waldbrände, während die EZB das Problem mit Ankündigungen und Strategiepapieren vertagt. Wir sagen: Schluss mit Lippenbekenntnissen und Greenwashing! Die EZB muss den sozial-ökologischen Wandel vorantreiben. Die Finanzierung zukunftsfeindlicher Industrien muss sofort gestoppt werden!

blank

Impressionen aus weiteren Städten des Globalen Aktionstags gegen die Finanzierung fossiler Industrien

Unsere Aktion in der Presse