KlimaKneipe mit dem jüdisch-israelischen Publizisten Tomer Dotan-Dreyfus
Seit dem 7. Oktober 2023 und der israelischen Reaktion darauf erleben wir eine dramatische Spaltung der Öffentlichkeiten – weltweit, aber besonders deutlich in Deutschland. Die Debatte ist polarisiert, von Repression und „Silencing“ geprägt.
In der Klimagerechtigkeitsbewegung hat dies zu etwas geführt, das schwer zu übersehen ist: Schweigen. Lähmung. Sprachlosigkeit. Während weltweit Klimagruppen die Zusammenhänge zwischen Klimagerechtigkeit, Postkolonialismus und Gaza diskutieren, herrscht in Deutschland weitgehend Paralyse. Warum fällt es gerade hier so schwer, sich öffentlich zu positionieren? Was bedeutet dieses Schweigen?
Manche sehen vielfältige Verbindungen: Julia Steinberger etwa bezeichnet Gaza als „Menetekel“ – als Vorschau auf den Umgang mit zukünftigen Klimaflüchtlingen. Andere betonen postkoloniale Muster, Extraktivismus, die Zerstörung von Lebensgrundlagen. Wieder andere reagieren skeptisch: Wird hier nicht zu viel in einen Topf geworfen?
Diesen Themen wollten wir mit Tomer Dotan-Dreyfus nachgehen. Er gab uns Impulse zu Fragen wie:
- Warum ist die deutsche Debatte zu Gaza so anders als in anderen Ländern? Welche Rolle spielen historische Verantwortung, Staatsräson, unaufgearbeitete Geschichte?
- Wie sehen linke israelische Perspektiven auf das Geschehen aus?
- Was haben Gaza und Klimagerechtigkeit miteinander zu tun? Sind die Zusammenhänge zwingend oder konstruiert?
- Warum schweigen so viele Klimagruppen in Deutschland?
- Wie können wir über diese schwierigen Fragen sprechen, ohne sofort zu triggern? Wie gelingt ein Diskurs, der sich an universalistischen Menschenrechten orientiert?
Im Dezember 2024 hat Ende Gelände nach einem Jahr intensiver interner Diskussion ein Positionspapierzu Gaza veröffentlicht – ein Versuch, das Schweigen zu brechen. Die Resonanz in der deutschen Klimabewegung blieb dennoch überschaubar. Auch wir im KoalaKollektiv haben uns schwergetan, eine gemeinsame Sprache zu finden.
Genau deshalb luden wir Tomer Dotan-Dreyfus zu einem Gespräch über Gaza und Klimagerechtigkeit ein. Nicht um Positionen vorzugeben, sondern um die Spannungsfelder besser zu verstehen. Um miteinander ins Gespräch zu kommen – auch wenn wir nicht in allem einig sind.
Ihr habt die KlimaKneipe über Gaza und Klimagerechtigkeit verpasst oder wollt nochmal nachhören? Kein Problem, hier ist der Live-Mitschnitt:
Über Tomer Dotan-Dreyfus
Tomer Dotan-Dreyfus ist in Israel aufgewachsen und lebt seit 14 Jahren als Schriftsteller und Übersetzer in Berlin. Er gehört zu jenen linken israelischen Stimmen, die sich schon lange vor dem 7. Oktober 2023 kritisch mit der israelischen Politik und Gesellschaft auseinandersetzten. In seinem jüngst erschienenen Buch „Keinheimisch“ schreibt er über seine Kindheit als Nachfahre von Holocaustüberlebenden in Israel und sein Leben in Deutschland. Der Historiker Per Leo kommentiert auf der Buchrückseite: »Sollte es Deutschland mit dem Schutz jüdischen Lebens ernst meinen, müsste es diesen literarisch hochveranlagten Störenfried wie seinen Augapfel hüten.«
Die KlimaKneipe mit Tomer Dotan-Dreyfus organisierten wir gemeinsam mit dem Verein zur Förderung von Klimagerechtigkeit e.V.Die Veranstaltung fand im Rahmen der World Design Capital Frankfurt RheinMain 2026 (WDC) statt.


